Arbeitsunterbrüche - notwendig oder nervig?

Wer kennt sie nicht; die Unterbrüche während der Arbeit. Es beginnt am Montagmorgen damit, dass gewisse Kollegen wissen möchten, wie Du Dein Wochenende verbracht hast. Aber eigentlich möchten sie lieber davon erzählen, wie ihres war. Währenddessen man also geduldig zuhört und ab und an ein "hm" oder "ja, wau" von sich gibt, ist man in Gedanken schon längst wieder bei der Projektsitzungsvorbereitung, der Produktpräsentation oder der Liste mit den vielen Kunden, die man noch alle telefonisch kontaktieren muss. 

Wenn dann der Wochenendbericht vom Kollegen überstanden ist, gehts weiter mit der Arbeit. Aber zu früh gefreut: wenige Minuten später klopft die Assistentin des Chefs an die Türe. "Du, wegen der Auswertung die der Chef braucht. Wann denkst Du, dass er damit rechnen kann?" Hat sie mein Mail nicht gesehen, in welchem ich ihr bestätigt habe, dass er die Daten bis zum gewünschten Montag erhalten wird? Nerv....Nun, dann gerne nochmals mündlich. Schliesslich hat sie den langen Weg von ihrem zu meinem Büro in Kauf genommen. Und, Gott sei Dank wollte sie nichts vom Weekend wissen.

Gut, weiter mit der Arbeit. *ring,ring,ring* "Ja?" - "Hallo, sag, hast Du mein Mail gesehen? Habe es Dir vor 2 Minuten geschickt." "Nein, habe ich noch nicht gelesen" - schliesslich warte ich ja nicht auf eingehende Mails...

Aber ganz schlimm sind diejenigen Unterbrüche, wenn es darum geht, etwas gehörtes und vermutetes weiter zu verbreiten. Dazu gibt es eine schöne Geschichte und Lösung des Problems: Die drei Siebe des Sokrates.

Ganz aufgeregt kam ein Mann zu einem Weisen gerannt: "Ich muss dir etwas erzählen. Dein Freund..."

Der Weise unterbrach ihn: "Halt!" - Der Mann war überrascht.

"Hast du das, was du mir erzählen willst durch die drei Siebe gesiebt?"

"Drei Siebe?", wiederholte der Mann ganz verwundert.

"Richtig, drei Siebe! Lass uns prüfen, ob das, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe passt. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Ist das wahr, was du mir erzählen willst?"

"Ich habe es selber erzählt bekommen und..."

"Na gut. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Das Sieb der Güte. Wenn es nicht sicher wahr ist, was du mir erzählen möchtest, ist es wenigstens gut?"

"Nein, im Gegenteil..." - antwortet der Mann.

"Dann", unterbrach ihn der Weise, "lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden. Ist es wichtig und notwendig, es mir zu erzählen, was dich so aufregt?"

"Wichtig ist es nicht und notwendig auch nicht unbeding."

"Also mein Freund", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es lieber sein und belaste dich und mich nicht damit."

Mit dieser Geschichte im Hinterkopf erhält so manche Störung ein anderes Gesicht. Und wer weiss, vielleicht schaffen wir es irgendwann - bei stetiger Anwendung der drei Siebe -, solche Unterbrüche etwas zu minimieren....